46. Jahrgang, Heft 6, Dezember 2015

 

BIBLISCHE BESINNUNG
Christoph Stenschke:
Ochs und Esel?


AUFSÄTZE
Reiner Braun:
Historiolog. Kirchengeschichtliche Quellen erlebbar machen

Jan Carsten Schnurr:
Biblische Historie und historische Bibelkritik im Denken
der Erweckungsbewegung zur Zeit des Vormärz

Wilfried Sturm:
Die Debatte über eine rechtliche Regelung des
Assistierten Suizids aus der Perspektive christlicher Lebensethik

(Klicken Sie hier für einen PDF-Download des Aufsatzes von Wilfried Sturm)

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Lars Klinnert:
Was bleibt? Personale Identität demenzkranker Menschen
als soziales Geschehen


BÜCHER


JAHRES-GESAMTVERZEICHNIS




Aus dem Editorial

Wer die neueste Ausgabe der theologischen beiträge aufschlägt, wird vielleicht seufzen: Ja, ist denn schon (wieder) Weihnachten? Aber es lässt sich nicht leugnen: Das Jahr 2015 neigt sich seinem Ende zu, das Weihnachtsfest rückt näher. Christoph Stenschke mag uns auf das kommende Fest einstimmen mit seiner Biblischen Besinnung über Ochs und Esel. Wieso „biblische“ Besinnung? Sind Ochs und Esel nicht – zwar unausrottbare, aber den-noch – nur folkloristische Accessoires der Weihnachtskultur? Die biblische Besinnung geht auf Spurensuche und findet etwa in Jesaja 1 mindestens gute Anlässe, warum man sich dachte, dass eigentlich zur Krippe auch Ochs und Esel gehören müssten.

Im Übrigen teilen sich Geschichtswissenschaft und medizinische Ethik die Hauptartikel dieses Heftes. Unser Mitglied im Herausgeberkreis Reiner Braun bietet mit dem „Historio-log“ einen neuen Zugang zu historischen Themen für die kirchliche Bildungsarbeit an. Wie kann man Menschen den Reiz und Wert historischer Dokumente nahebringen? Braun schlägt vor, die aus der Bibeldidaktik und Homiletik bekannte Methode des Bibliologs auch auf historische Dokumente auszudehnen. Dabei werden Teilnehmenden Rollen zugewiesen, in die sie sich hineinversetzen und aus denen heraus sie (re)agieren sollen. Im Bibliolog kann das bedeuten, sich in Petrus oder in die Frau vom Jakobsbrunnen hineinzuversetzen, im konkreten Beispiel eines Historiologs werden Rollen aus einer Kontroverse um die Wiedereinführung der römischen Messe im Frankfurt des Jahres 1535 eingenommen.

Diese Liebe zur Geschichte und Geschichtswissenschaft hat prominente Vorfahren. Darauf verweist der Gießener Historiker Jan Carsten Schnurr in einem Beitrag über die Er-weckungsbewegung im sogenannten Vormärz (1815–1848). In dieser Blütezeit der Er-weckung zeigen sich gleich mehrere Variationen solcher Hingabe zum Historischen: Man verstand die Geschichte (nicht nur der Bibel) als pädagogische Hilfe zu einer klugen Lebensführung („historia magistra vitae“). Ebenso bemühte man sich, die biblische Heilsgeschichte mit der Weltgeschichte zu verknüpfen – als deren Kern und Schlüssel zum Verständnis. Und man setzte sich ernsthaft und mit enormem Aufwand mit der historischen Kritik an den biblischen Schriften auseinander.

In beiden medizinethischen Beiträgen werden Fragen der menschlichen Selbstbestimmung an den Grenzen der irdischen Existenz verhandelt. Zunächst führt uns der Systematische Theologe der Internationalen Hochschule Liebenzell, Wilfried Sturm, in die auch tages-politisch aktuelle Debatte über den assistierten Suizid ein. Er präsentiert dabei die komplexe Lage der diversen Gruppenanträge im Bundestag, bietet aber auch kontroverse theolo-gische Perspektiven an und findet zu einer Position, die Empathie mit kritischen Lagen am Lebensende mit einer vorsichtigen Relativierung völliger und damit einsamer Autonomie des Patienten verknüpft. Anders gesagt: Auf andere angewiesen zu sein, ist keine Infra-gestellung der menschlichen Würde.

Ähnlich argumentiert der Bochumer Ethiker Lars Klinnert, wenn er sich in die Debatte um die Situation meist hochbetagter dementer Menschen einbringt. Er erörtert die in dieser Lebenslage bedrängende Erfahrung des Verlustes der Persönlichkeit und unterscheidet die Identität menschlichen Daseins als Person von der Identität qua Persönlichkeit, die ein Mensch erwirbt und auch wieder verlieren kann. Dabei macht er darauf aufmerksam, dass wir unsere Lebensgeschichte nicht einsam schreiben, sondern in Beziehungen zu anderen verwoben sind, nicht zuletzt in Beziehung zu Gott gegründet sind. Diese beziehungsweise Identität geht nicht verloren, wenn Merkmale der Persönlichkeit erloschen sind.

Fünf Rezensionen runden dieses Heft ab, dessen Lektüre die Zeit bis zum Fest wie im Fluge vergehen lassen wird. Und dann: Gesegnete Weihnachten und einen guten Start ins Neue Jahr!


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